Simca 9 Aronde (Baujahr: 1954, Motor: 4-Zylinder 4-Takter, 1.221 ccm, 45 PS, Getriebe: 4-Gang, Max. km/h: 122 km/h)







Eine viertürige Limousine gefällig? Sehr gerne, aber auf die französische Art, síl vous plaît! Peugeot? Renault? Nichts da, Simca soll es sein. Nein?! Doch!! Ohh!!! Grob beschrieben gibt dies die Reaktion der meisten Menschen auf dieses herrliche Stück französischer Automobilbaukunst wieder. Dabei war es völlig egal ob die Menschen in Dornum beim Oldtimertreffen oder auf dem Straßenfest in Marienhafe nach dem Auto fragten. Im Jahr 1934 wurde in Nanterre bei Paris die „Société Industrielle de Mécanique et Carrosserie Automobile“ von Henri Pigozzi gegründet um FIAT- Fahrzeuge in Lizenz zu bauen. Angefangen beim Topolino kamen später noch der Simca 5, 6 und 8 dazu. Deswegen trägt unsere „Schwalbe“ (französisch „Aronde“) auch den Zusatz 9. Im Jahr 1954 übernahm Simca das FORD-Werk bei Paris und produzierte ehemalige Ford Fahrzeuge unter eigener Regie. Simca Aronde sowie Ariane und der Simca 1000 waren dann eigene Entwicklungen. Im Jahr 1958 kaufte sich Chrysler aus den USA über die verbliebenen Aktienanteile von Ford bei Simca ein. Die Übernahme von Talbot-Lago erfolgte ein Jahr später. Die Marke Simca wurde 1978 an Peugeot verkauft und der Peugeot 309 ist das direkte Erbe dieser Übernahme.
Zurück zu unserem Kalender-Modell: Die Firma Dehne aus Großheide war die Simca Vertretung für Ostfriesland. Allerdings ist unser Exemplar mit seiner hübschen Pontonform vom Vorbesitzer aus den Niederlanden geholt worden. Als Paket zusammen mit einer späteren P60-Aronde kamen die Fahrzeuge und ihre Unterlagen ins Brookmerland, wo die spätere Schwalbe wieder gehen musste und das jüngere Exemplar zunächst in eine Art Dornröschenschlaf fiel. Es brauchte mehrere Jahre bis sie von ihrem Prinzen wieder wach geküsst wurde. Dabei stellte sich heraus, dass der Kilometerstand von 57.000 zwar original, aber die Teileversorgung für Schwalben der ersten Baureihe eher mau ist. Erschwerend kam hinzu, dass der französische Hang zum Expressionismus auch im Automobilbau durchschimmert. Anders kann man den Startvorgang ohne Zündschlüssel oder die Blinker mit relaisgesteuerter Zeitverzögerung nicht erklären. Die Kolbenringe sind dabei sogar ein Kapitel für sich. Um Ersatzteile zu besorgen sollte man folgendes Prozedere befolgen: Man lümmelt sich auf die gemütliche Sitzbank und greift nach dem Volant. Nun flutet man den Solex-Vergaser, vorausgesetzt man hat beim Tanken die Tankklappe gefunden, startet den Vierzylinder mit Trick 17 und fährt auf kleinen Landstraßen in Richtung Frankreich. Das ist alles möglich, denn die TÜV-Prüfung hat unsere kleine Schwalbe mit Bravour bestanden, auch wenn es auf Grund der Patina nicht zum H-Kennzeichen gereicht hat. Das ist ihr aber im Nu verziehen, wenn knisternd aus dem Radio französische Chansons ertönen, während man sich dem Sonnenuntergang über den Vogesen nähert. Bon voyage la petit Aronde! Gute Reise, kleine Schwalbe!
Über die kleine Aronde wurde bereits in der OLDTIMER-PRAXIS berichtet. Hier ist der Artikel von unserer Presseseite