Oktober 2026

Güldner Ackerschlepper G 25

(Baujahr: 1967, Motor: 2-Zylinder Reihen-Dieselmotor; 1570 ccm; 24 PS, Getriebe: 8 Vorwärtsgänge & 4 Rückwärtsgänge in 3 Gruppen, Max. km/h: 19 km/h)

Für den gepachteten 10 ha-Hof des Jungbauern hatte der vorhandene kleine MAN-Schlepper zu wenig Leistung. Ein neuer, stärkerer Traktor musste her! Die Wahl fiel auf den Güldner G25. Mit Doppelkupplung für den Heuwender und die HD-Presse, sowie Regelhydraulik für den Zweischarpflug, war er ein moderner Helfer in der Landwirtschaft. Auch ein Messerbalken-Seitenmähwerk zur Heugewinnung sollte dran sein. So machten sich Vater & Sohn im Sommer 1967 auf zum Güldner-Händler Jann Diekena in Aurich an der Fockenbollwerkstrasse. Bis nachts um 1.30 Uhr wurde verhandelt, bis der Preis „stimmte“.

Güldner war seit 1904 ein Hersteller von Dieselmotoren. Motoren mit bis zu 600 PS verließen die Hallen des Aschaffenburger Werks. Später kamen Kleindieselmotoren dazu. Der Traktorenbau war in den ersten Jahren zunächst erfolglos. 1929 wurde Güldner von Fa. LINDE, einem Hersteller von Kühl-, & Eismaschinen, später auch Gabelstaplern und Flurförderfahrzeugen, übernommen. Fortan firmierte man als „Linde – Güldner“. Ab 1936 entstand, unter dem politischen Einfluss des Schell-Plans, zunächst ein 20 PS-Schlepper in Zusammenarbeit mit Deuliewag in Berlin. In den Kriegsjahren ab 1942 bauten beide Unternehmen den bei Güldner entwickelten Holzgasschlepper AZ 25. Die 1949 vorgestellte Nachkriegsbaureihe, umfasste zwischen 16 und 30 PS starke Schlepper. In Zusammenarbeit mit FAHR und Ritscher kam 1954 der Geräteträger „Multitrak“ auf den Markt. Von 1958 bis 1962 fertigte Güldner in Zusammenarbeit mit FAHR in Gottmadingen. In dieser Zeit wurde auch die gemeinsame Europa-Baureihe vorgestellt.

Ab 1962 stellte Güldner die neue G-Baureihe vor. Liebevoll sprachen die Landwirte vom „roten Gold aus Bayern“ für die Traktoren der Marke Güldner, die von 1962 an, bis zur Einstellung der Traktorenproduktion im Jahr 1969 konsequent in der Farbe Rot lackiert waren. Überwiegend Motoren der neuen Baureihe L71/79 waren in den neuen roten Schleppern verbaut, die es bis zum 6-Zylindermotor mit bis zu 75 PS gab. Etliche Modelle der G-Baureihe gab es auch mit Allrad. Beim Allradantrieb ist die Vorderachse zuschaltbar, auf befestigtem Untergrund sollte sie unbedingt ausgeschaltet sein. Die Aschaffenburger bauten zwar Differenziale in Vorder- und Hinterachse ein, jedoch ist die Verbindung zwischen den Achsen starr. Auf unbefestigtem Untergrund kann bei Kurvenfahrt Schlupf die unterschiedlichen Laufstrecken ausgleichen. Auf befestigtem Untergrund kommt es jedoch zu starken Verspannungen, die zu erheblichen Schäden in der Antriebseinheit führen können.

1969, nach rund 100.000 im bayrischen Unterfranken hergestellten Traktoren, endete deren Produktion und auch die der Dieselmotoren. Fortan wurden bei Linde Flurförderfahrzeuge gebaut. Das Ersatzteilgeschäft übernahm Mitbewerber Deutz. 1991wurde der Handelsname Güldner aus dem Handelsregister ausgetragen.

1963 kam der hier vorgestellte Güldner G 25 mit normaler Getriebeübersetzung (19 km/h) ins Programm der G-Baureihe und blieb bis 1969. Darüber hinaus gab es für preisbewusste Käufer den G25E 😊 Einfache, „abgespeckte“ Ausstattung) und den G25S (=Schnelllaufgetriebe mit 24 km/h).

4342 Stück des Typs G25 liefen mit dem luftgekühlten, stehenden Zweizylinder-Viertakt-Reihen-Diesel-Motor des Typs 2L79 vom Band. Mit einem quadratischen Hub-,Bohrungsverhältnis von 100/100 mm erreicht er aus 1570 ccm 24 PS bei 2300 U/min mit einem Drehmoment von 8,25 mkg.

Durch Lenkradschaltung sind die auf die Hinterachse wirkenden 8 Vorwärts-, und 4 Rückwärtsgänge des ZF A208-Getriebes in drei Gruppen manuell schaltbar ( ACKER / STRASSE / RÜCKWÄRTS ). Der G25 hat umschaltbare Motorzapfwelle mit 540 oder 1050 U/min, Differentialsperre, Lenkbremse, pedalbetätigte, trockene Doppelkupplung von F&S und Regelhydraulik, sowie 12V-Licht-, und Anlasseranlage serienmässig.

Hier kam noch der optionale Mähantrieb mit Sicherheits-Rutschkupplung und Messerbalken dazu, der mit 1.150 U/min mit Nenndrehzahl arbeitet. Mit 2 bis 2,5 l Diesel/h bei ¾ Nenndrehzahl und 70% Anhängelast ist der Güldner G25 sehr sparsam im Verbrauch.

Wohl nicht nur deshalb ist sein damals schon preisbewusster Erstbesitzer ihm die letzten fast 59 Jahre treu geblieben! Schön ist, dass man dem alten Güldner seine fast sechs Jahrzehnte ansieht und er von einer „Vollrestaurierung“ mit Neulack verschont geblieben ist! Mit seiner tollen Patina strahlt er einen schönen Oldie-Charme aus.