Unser Mitglied Jann Barkhoff hat sich jüngst von Marienhafe aus mit seiner Isetta auf die lange Reise zum großen Jahrestreffen des Isetta Club e.V. in Weiterstadt begeben.

Hier ist sein erfrischender Reisebericht über das 5 tägige mehr als 1000Km lange Abenteuer und die Erlebnisse auf dem Treffen.

In diesem Jahr konnte ich mit meiner Isetta noch an keiner Ausfahrt des OOC-eV teilnehmen. Deshalb habe ich mich entschlossen, am Jahrestreffen 2012 des Isetta-Club in Weiterstadt (5 km vor Darmstadt) teilzunehmen. Ebenso wie bei den vorausgegangenen Treffen (2010 in Tangerhütte bei Magdeburg und 2011 in Kassel) wollte ich auch dieses Mal „auf eigener Achse“ anreisen. Am Mittwoch, dem 22.08.2012, ging es dann los. Wegen meiner geringen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h wollte ich nur über Bundes- und Landstraßen fahren und keine Autobahnen benutzen.

Über Hesel, Cloppenburg, Osnabrück ging es Richtung Warendorf. Da es sehr heiß war, entschloss ich mich, nach 200 km eine Pause einzulegen. Als ich jedoch weiterfahren wollte, sprang der Motor nicht mehr an. Benzin war genügend vorhanden. Doch der Zündfunke kam nicht. Nachdem ich den Unterbrecher geprüft und die Zündspule getauscht hatte, stellte sich der Zündkerzenstecker als Fehlerursache heraus. Er war wohl den „Hitzetot“ gestorben. Glücklicherweise hatte ich Ersatz dabei und die Fahrt konnte weiter gehen. Nach 300 km erreichte ich Warstein. Doch dies Bier verschmähte ich, da ich noch 60 km bis zu meiner Übernachtung vor mir hatte und mich in der Zwischenzeit meine Frau mit Ihrem Begleitfahrzeug eingeholt hatte. Nach 356 km war dann in einem kleinen Hotel für den ersten Tag Feierabend.

Am nächsten Tag (Donnerstag) starteten wir nach einer technischen Überprüfung des Fahrzeuges (hierbei vergas ich eine Radkappe auf dem Parkplatz). Über Siegen und Limburg ging es nach Wiesbaden. Hierbei musste ich Berge bis zu 600 m Höhe erklimmen und Straßenabschnitte mit bis zu 14 % Steigung bewältigen. Da ging meinem kleinen Motor mit seinen 12 PS schon mal die Luft aus und einige Straßenabschnitte konnte ich nur mit 40 km/h im 2. Gang erklimmen. Doch auch das schafften wir. Über Mainz und Rüsselsheim erreichten wir am Nachmittag nach etwa 550 km Fahrtstrecke unseren Zielort Weiterstadt.

Auf dem Schlossplatz vom Ortsteil Braunshardt war für das Treffen ein großes Zelt aufgebaut. Es hatten sich schon einige Isetta-Standard, Isetta-Export, Isetta 600 und BMW 700 aufgereiht. An dieser Veranstaltung beteiligten sich insgesamt 190 Fahrzeuge mit etwa 400 Personen.

Zur Unterstützung war am Abend auch noch mein Sohn gekommen, der eigentlich mit seiner eigenen Isetta teilnehmen wollte, aber leider gab es technische Probleme, die die Fertigstellung verzögert hatten.

Am Freitag war das Highlight, dass wir mit unseren Fahrzeugen an einer „Blitzeraktion“ teilzunehmen konnten. Hierzu hatte die Stadt ein Blitzgerät bereitgestellt und ein Straßenstück gesperrt. Nach einem Anlauf von 400 m wurde ich dann mit 71 km/h geblitzt (ich vermute, dass ich die Handbremse nicht ganz gelöst hatte (;- ).

Am Freitagnachmittag wurde dann die Veranstaltung offiziell eröffnet und die größte Isetta der Welt vorgestellt. Durch eine großzügige 4.000-€-Spende eines Schönheitschirurgen konnte dieses aufblasbare Fahrzeug (ich vermute, dass es etwa 5 m hoch war) von einer Spezialfirma hergestellt werden. Und dann begann in dem übervollen Festzelt das Abendessen. Höhepunkte waren hier der Auftritt eines Elvis-Double, Tanzvorführungen von Personen in der Kleidung der 60er Jahre usw.

Am Sonnabend stand die große gemeinsame Ausfahrt auf dem Programm. Nach einer Rundtour über die Dörfer erreichten wir das Opel-Werk in Rüsselsheim. Obwohl wir alle BMW-Fahrzeuge fuhren, hatte man sich bereit erklärt, uns die Sammlung der historischen Opel Fahrzeuge zu zeigen. Wir fuhren hierzu mit unseren Fahrzeugen mitten durch die in einer Halle aufgestellten Oldtimer. Dort standen alle uns bekannten Fahrzeuge, wie Kadett, Kapitän, Commodore, aber auch die älteren wie z. B. die berühmten Raketenwagen. Nach dem Durchfahren der Halle wurde uns das Mittagessen (Brötchen mit Leberkäse und ein Getränk) serviert. Dann ging es zurück zum Schlossplatz.

Hier hatte man in der Zwischenzeit auf dem Rasen einige Markierungen angebracht und alle Fahrzeuge mussten sich nach den Vorgaben von Einweisern entlang dieser Markierung aufstellen. Dann überflog ein Kleinflugzeug mehrere Male den Schloßplatz. Am Abend wurde uns dann präsentiert, dass uns dieses Flugzeug fotografiert hatte und unsere Fahrzeuge aus der Luft gesehen das BMW-Symbol (der Propeller) ergab.

Ab 18:00 Uhr war dann das Zelt geöffnet. Hier erfolgte dann die Pokalverleihung, z. B. an den größten Pechvogel: Er war mit seinem Gespann einige 100 km gefahren und hatte den Schlüssel für seine Isetta zu Hause liegen gelassen. Dann gab es wieder ein Entertainment mit Tanzgruppen und weiterer musikalischer Unterhaltung. Zum Schluss erfolgte die Verteilung der „Blitzerfotos“. Leider konnte noch nicht mitgeteilt werden, wo 2013 das nächste Treffen stattfindet, da sich noch niemand bereiterklärt hat dies auszurichten.

Am Sonntag begann für meiner Frau und mich die Rückfahrt. Zuerst sah ja alles noch prima aus. Die Isetta lief problemlos und das Wetter hatte angenehme Temperaturen. Doch nach etwa einer Stunde setzte der Regen ein. Mein kleiner einarmiger Scheibenwischer schlug sich wacker und schaufelte die teilweise sintflutartigen Wassermassen zur Seite. Und meine Hinterräder spritzten das Wasser so hoch, dass mich meine Frau im nachfolgenden Fahrzeug fast nicht mehr sehen konnte. Doch auch diesmal musste ich die Berge erklimmen. Und dabei mag meine Isetta Regenwetter gar nicht gerne. Der Motor fing manchmal etwas an zu husten und mein Schiebedach war auch nicht ganz dicht, sodass ich schon mal eine Dusche bekam. Wahrscheinlich durch diese Umstände etwas abgelenkt achtete ich nicht so sehr auf die Geschwindigkeit, denn plötzlich sah ich kurz nach einer Ortseinfahrt ein rotes Licht aufblitzen. Ich war auf dieser Reise zum zweiten Mal geblitzt worden, aber diesmal wird wohl eine Rechnung kommen. Gegen 13:00 Uhr hatten wir dann Lennestadt erreicht und wir steuerten das Hotel an, in dem wir auf der Hinfahrt übernachtet hatten. Dort hatte man unsere Radkappe auf dem Parkplatz gefunden und wir konnten sie wieder montieren. Und immer regnete es noch. Da aber die Fahrt bisher gut gelaufen war und sonntags keine landwirtschaftlichen Fahrzeuge und LKW den Geschwindigkeitsrausch mit meiner Isetta behinderten, entschlossen wir uns weiter zu fahren. Und es lief weiterhin alles problemlos. Alle 170 km musste ich meinen 10 l fassenden Tank neu füllen und weiter ging es.

Als wir dann Osnabrück durchquert hatten und es nur noch 180 km bis nach Hause waren, entschlossen wir uns auch dieses Stück noch zu schaffen. Bis Hesel lief alles prima, doch dann kamen die ostfriesischen Bundesstraßen, die nach einer neuen Sparmethode geflickt wurden. Hier hat man auf der Fahrbahn nur kleine Flächen herausgefräst und erneuert. Und wer schon mal mit einer Isetta über eine solche Straße gefahren ist, weiß warum man die Isetta auch „Schlaglochsuchgerät“ nennt. Und das alles auch noch bei strömendem Regen. Aber auch das habe ich überstanden. Um 20:30 Uhr erreichte ich nach 550 km wieder meine Garage.

Das von meinem alten Norder Kennzeichen NOR H 250 mit dem original Stempel des ehemaligen Landkreises Norden eine besondere Werbewirkung für unsere Region ausgeht, konnte ich bereits 2011 in Kassel feststellen. Damals wurde ich beim langsamen Durchfahren der Fußgängerzone von mehreren Personen angesprochen, ob ich mit meinem Fahrzeug aus dem Bereich Norden /Norddeich kommen würde. Auch diesmal sprachen mich Zuschauer auf mein Kennzeichen an und bemerkten, dass sie hiermit Ihren Urlaubsort Norden/Norddeich in Verbindung brachten. So habe ich wohl auf meinen 550 km durch Deutschland gleichzeitig als Werbeträger für unsere Region gefahren.

Weitere Informationen sind im Netz unter folgenden Links zu sehen:
http://www.youtube.com/watch?v=FEvGpu2EdhA
http://www.magixfoto.de/#/alle-alben/!/oa/6612874/
http://clause.bplaced.net/wordpress/?p=1051

Und zum nächsten Treffen werde ich wieder auf eigener Achse anreisen.

Jann Barkhoff
Marienhafe